Wenn das Studium zur Schuldenfrage wird

Themenkreis Studium und Lehre

EY-Studierendenstudie 2026 - Finanzen und Lebenssituation

Studieren kostet Geld – für viele Studierende in Deutschland wird das zur echten Last: Sechs von zehn (60 Prozent) haben aktuell Verbindlichkeiten oder Kredite, darunter auch überzogene Girokonten, fast jeder Elfte sogar Schulden von mehr als 5.000 Euro.

Das ergab eine EY-Umfrage unter mehr als 2.000 Studentinnen und Studenten im Frühjahr 2026. Am höchsten ist die Quote in der Medizin (74 Prozent) und den Geisteswissenschaften (73 Prozent). Zwischen den Geschlechtern zeigt sich zudem eine Lücke: 64 Prozent der Männer, aber nur 56 Prozent der Frauen sind verschuldet.

Geld als Lernbremse

Die Belastung bleibt nicht ohne Folgen: 81 Prozent berichten, dass Geldsorgen oder nötige Nebenjobs ihre Studienleistungen beeinträchtigen, fast ein Drittel sogar stark.

Besonders betroffen sind Medizin-, Rechts- und Kulturwissenschaftler (je 39 Prozent), seltener Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler (28 Prozent). Jan-Rainer Hinz, Personalchef bei EY, ordnet ein: Finanzielle Unsicherheit werde zum prägenden Faktor des Studiums. Deutschland liege zwar weit von US-Verhältnissen entfernt, doch müssten angesammelte Schulden später durch einen gutbezahlten Job abgetragen werden – während gestiegene Lebenshaltungskosten von staatlicher Unterstützung kaum aufgefangen würden.

Frauen blicken skeptischer in die Zukunft

Nur 43 Prozent bewerten ihre Finanzsituation als gut, Männer deutlich häufiger (52 Prozent) als Frauen (34 Prozent). Auch beim Blick nach vorn zeigt sich die Kluft: Die Hälfte der Studierenden ist optimistisch, bei Frauen sind es 46, bei Männern 54 Prozent.

Dies dürfte wohl nicht allein auf Einkommensunterschiede zurückzuführen sein: Frauen schätzten Risiken vorsichtiger ein und rechneten früh mit einem schwereren Berufseinstieg als ihre männlichen Kommilitonen.

Geld bestimmt die Studienwahl

Die finanzielle Anspannung prägt längst auch die Fachwahl: 87 Prozent nennen gute Verdienstmöglichkeiten als wichtiges Kriterium für ihr Studienfach. Doch es gibt auch Alternativen: Angesichts des Fachkräftebedarfs bieten Wege wie das Handwerk oft früher finanzielle Stabilität und langfristig konkurrenzfähige Einkommen. Nicht jede akademische Laufbahn führt automatisch zu besseren Perspektiven – und nicht jeder Verzicht auf ein Studium ist ein Verlust.


In aller Kürze
60 Prozent der Studierenden in Deutschland sind verschuldet, 81 Prozent sehen ihre Leistungen beeinträchtigt. Frauen blicken pessimistischer in die Zukunft als Männer. Geld prägt zunehmend auch die Studienwahl.


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